Beziehungskrise nach der Geburt

Beziehungskrise nach der Geburt | 6 Wege, um eine Trennung zu vermeiden

Ein gemeinsames Kind stellt für viele Paare immer noch die Krönung ihrer Liebe dar. Doch häufig kommt es nach der Geburt des ersten Kindes zu einem bösen Erwachen. Was ihr tun könnt, um zu verhindern, dass eure Beziehung am Familienalltag zerbricht, das erfahrt ihr in meinem Blogbeitrag.

Beziehungskiller #1: Mangelnde Vorbereitung

#tatjanaredettacheles Machen wir uns bitte nichts vor. Die meisten von uns müssen zuerst einmal eine idyllische, vollkommen unrealistisch romantisierte Fantasie aufbauen, um der Vorstellung ein Kind zu bekommen überhaupt etwas abzugewinnen. Denn nach Aufstellen einer Pro- und Contra-Liste würde wohl keiner mehr ein Kind bekommen. Kinder sind laut, lassen ihren Gefühlen jederzeit und überall freien Lauf, sie rauben uns den Schlaf, produzieren Unmengen an Wäsche und bereiten uns Sorgen, die proportional mit ihnen mitwachsen. Wer diesen knallharten Tatsachen nicht furchtlos entgegenblickt, sondern stattdessen glaubt, eine eigene Familie wäre der Weg ins Glück, den erwartet spätestens nach der Geburt des ersten Kindes das böse Erwachen. Denn ab dann dreht sich alles nur noch ums Kind.

Beziehungskiller #2: Mutti kümmert sich ums Kind und Vati schafft die Kohle ran

Ich weiß, es gibt gerade in den Großstädten schon längere Zeit eine Trendwende und es ist nicht mehr so, dass die klassische Rollenverteilung automatisch gilt, weil auch die Väter mittlerweile bereit sind im Beruf kürzer zu treten und Frauen mehr sein wollen und auch sollen als nur „Frau und Mutter von…“.
Trotzdem ist es nach wie vor so, dass wir Frauen die Babys bekommen. Und auch das Stillen können nun einmal nur wir Frauen übernehmen. Außerdem wollen die meisten Frauen die ersten Monate oder auch Lebensjahre bei ihrem Kind sein. Dadurch fühlen sich viele Väter immer mehr auf die Rolle des Ernährers reduziert, der die Kohle heranzuschaffen hat, während die Mütter sich in der undankbaren Alltagsorganisation und Haushaltsführung weder gesehen, noch gewertschätzt fühlen. Diese Rollenverteilung führt dann zu Projektionen auf den jeweils anderen, wodurch Streitereien und zunehmende Entfremdung entstehen.

6 Wege, um eine Trennung zu vermeiden

1 | Reden. Mutig, offen und ehrlich.

Es bringt überhaupt nichts, darauf zu warten, dass der jeweils andere doch endlich mal sehen soll, was wir jeden Tag leisten, wie sehr wir leiden oder was wir uns in unserem Herzen wünschen. Jeder von uns lebt in seinem ganz eigenen Kosmos und betrachtet die Welt durch die eigenen Augen. Wenn wir wollen, dass wir gesehen und unsere Bedürfnisse wahr- und ernstgenommen werden, dann müssen wir sie offen kommunizieren. Ja, das braucht oft Mut. Es braucht den Mut, uns ehrlich zuzumuten und zu riskieren, dass unser Partner eben nicht sofort wohlwollend und verständnisvoll reagiert. Aber wir schaffen dadurch auch Raum, dass unser Partner sich ebenfalls ehrlich zeigen kann. Dieses Öffnen und sich gegenseitig ehrlich Zumuten, schafft Nähe und Verbindung.
Ach, übrigens: traut euch ruhig, auch mal ehrlich zuzugeben und bei eurem Partner auszusprechen, dass das süße Baby, dass ihr euch ja so sehr gewünscht habt, euch gerade so richtig auf den Wecker geht und ihr am liebsten nur noch zum Flughafen fahren und ein One-Way-Ticket kaufen wollt. Ein bisschen lockerer Humor kann Wunder wirken und ihr werdet sehen, dass euer Partner solche Gedanken höchstwahrscheinlich auch schon hatte. ;-)

2 | Zeit für sich allein

Eine der für mich schlimmsten Veränderungen nach der Geburt meines Kindes war, dass ich meine Selbstbestimmtheit komplett verlor und vom Zeitpunkt der Geburt an nie wieder alleine war. Das ging so weit, dass ich nicht einmal mehr alleine aufs Klo gehen konnte (würde mir heute als erfahrene Mama auch nicht mehr passieren). Da ein Baby rund um die Uhr jegliche Aufmerksamkeit von uns fordert, braucht und verdient hat, ist es umso wichtiger, dass wir uns Zeit für und mit uns allein gönnen, um unsere Batterien wieder aufzuladen und uns wieder zu spüren. Damit meine ich aber nicht, dass wir uns vor die Glotze fläzen oder am Handy rumdaddeln, denn dann sind wir ja wieder nicht bei und mit uns.
Zeit mit sich allein bedeutet einen Spaziergang zu machen, keinen Output von außen zu bekommen, sondern ausschließlich in sich selbst hineinzuhorchen und hineinzuspüren und sich selbst zu fragen: wie geht es mir eigentlich? Was brauche ich gerade? Was tut mir im Hier und Jetzt gut?

3 | Zeit zu zweit

Ja, ich weiß, dieser Punkt hat einen Bart unter uns Beziehungscoaches, aber er ist eben auch enorm wichtig. NACHDEM ihr Zeit für und mit euch allein hattet, ist es enorm wichtig, dass ihr Zeit einräumt für eure Partnerschaft. Aber genau wie bei der sogenannten Me-Time gilt auch in der Zeit zu zweit oberste Regel, dass so wenig wie möglich Beballerung von außen kommt, sondern ihr euch bewusst und achtsam im Hier und Jetzt begegnet und wirklich präsent beim jeweils anderen seid. Wenn ihr völlig erschöpft auf dem Sofa lümmelt in eurer fleckigen, verkrusteten Jogginghose und euch eine Pizza bestellt und einen Film glotzt, dann ist das keine Zeit zu zweit. Entweder ihr lasst euer Kind von jemand anderem betreuen oder ihr nutzt die 1-2 Stunden während euer Baby schläft, pfeift auf den Haushalt, zieht euch um oder aus und genießt die kostbare Zeit, um euch mal wieder nah zu sein. Ganz ohne Druck. Ganz ohne Erwartungen. Aber präsent.

4 | Hilfe von außen

Um es einmal ganz klar zu sagen: NIEMAND KRIEGT DAS ALLES SPIELERISCH HIN! Wenn es um Hilfe geht, gibt es kein Zuviel. Egal ob im Haushalt, bei der Kinderbetreuung, beim Einkaufen, zum Reden, nehmt so viel Hilfe in Anspruch wie ihr irgendwie könnt. Und vor allem: glaubt auf keinen Fall, dass ihr die einzigen seid, bei denen das nicht so glatt läuft. Gerade die Paare und Familien, die immer besonders betonen, wie wunderschön und erfüllend alles mit Kindern ist, lassen mich besonders aufhorchen. Nicht, weil ich eine Zynikerin bin, sondern weil hinter so einer „Familie Glückelich“ aus meiner Erfahrung oft nicht genug Raum herrscht für all die Gefühle und persönlichen Wahrheiten, die weniger plüschig und rosarot sind. Sucht euch Freunde, Bekannte oder Verbündete im Internet, die ehrlich aussprechen, wie hart die ersten Jahre(!) mit Kind sind. Nicht, um sich gegenseitig etwas vorzujammern, sondern damit ihr euch mit euren Herausforderungen nicht so allein und vor allem nicht unzulänglich fühlt.

5 | Gegenseitige Unterstützung

Bitte erinnert euch immer wieder daran, dass auch euer Partner bei null anfangen und erst einmal alles lernen muss. Selbst wenn eine:r von euch schon ein Kind in die Beziehung mitgebracht hat, so ist jedes Kind anders, jede Paar- und Familiendynamik ist anders und alle müssen sich erst einmal einspielen. Habt also unbedingt Geduld miteinander und zeigt euch auch im hektischen Alltag hin und wieder, dass ihr euch gegenseitig seht und euch nicht vergessen habt. Das können kleine Aufmerksamkeiten und Gesten sein. Eine Geste, die sofort für sehr viel Nähe und Intimität sorgt, ist, wenn ihr euch mal wieder wirklich bewusst und tief in die Augen schaut. Probiert es aus, ihr werdet überrascht sein.

6 | Vergesst nicht, wer ihr ohne Kind seid

Wenn ein Kind geboren wird, dreht sich zweifelsohne alles für lange Zeit erst einmal um dieses kleine, hilflose Wesen. Doch bei aller Liebe für euer Kind, bei all den Bemühungen eure Beziehung zu pflegen, vergesst nicht, wer ihr als Mensch seid, ohne all diese Rollen. Auch wenn du dafür vielleicht aktuell überhaupt keine Zeit findest. Bewahre dir deine Träume, Ziele und Wünsche. Nicht für deine Familie oder deine Partnerschaft, sondern für dich selbst. Welche Hobbys möchtest du so bald wie möglich wieder aufnehmen? Was für ein Mensch möchtest du in diesem Leben sein? Wofür möchtest du dich in deinem Leben einsetzen und stark machen? In welche Richtung möchtest du dich die nächsten Jahre entwickeln, auch wenn du im Moment bei all dem Stress keine Ahnung hast, wie du da jemals hinkommen sollst? Mutter, Vater, Eltern sein ist wunderbar. Aber es ist eben nicht alles. Sonst bürdet ihr eurem Kind eine Verantwortung und Sinnstiftung für euer Leben auf, für das es überhaupt nicht zuständig ist. Ein Kind ist eine riesige Chance persönlich zu reifen und zu wachsen und kein Investment, was in der Zukunft eine Rendite abwerfen soll.

Wenn ihr merkt, dass bereits Gefahr in Verzug ist und Frustration, wiederkehrende Streitereien, Ausgebranntsein oder Entfremdung sich in eurer Beziehung breit machen, dann wartet nicht zu lange, ehe ihr euch Hilfe von außen holt. Nutzt die Chance, um eure Beziehung, dank der Geburt eures Kindes, auf ein ganz neues Level zu heben und euch persönlich und als Paar weiterzuentwickeln.

Wenn ich euch auf eurem Weg ein Stück begleiten soll, dann könnt ihr gerne jederzeit bei mir einen Termin für ein kostenloses Telefonat vereinbaren, wo wir gemeinsam schauen, ob ich euch in meinem 1:1 Paarcoaching helfen kann. Das gilt natürlich, wie immer, auch dann, wenn euer Partner nicht bereit ist, mitzumachen.

Alles Liebe,
eure Tatjana

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