Alleinerziehend trotz Partner

Alleinerziehend trotz Partner?

Alleinerziehend zu sein ist eine enorme Herausforderung und birgt jede Menge Gefahren, körperlich, seelisch oder finanziell in Not zu geraten. Aber was ist mit den Frauen (selbstverständlich gibt es auch Männer in solch einer Situation), die eigentlich einen Partner haben, aber an denen alles alleine hängen bleibt?

Echtes Problem oder nur Jammern auf hohem Niveau?

Eines möchte ich vorweg klarstellen. Ich will hier ganz sicher nicht zum Battle aufrufen, wer das größere arme Opfer ist; die „wirkliche“ Alleinerziehende nach amtlicher Statistik, die den Löwenanteil der Verantwortung trägt oder die Alleinerziehende, die eigentlich einen Partner an ihrer Seite hat. Fakt ist, dass zum Kinderkriegen immer zwei gehören. Aber wenn es darum geht, sich um die Kinder und den Rattenschwanz, der da noch dran hängt, zu kümmern, stehen viele Frauen plötzlich sehr alleine da. Trotz (Ehe-)Mann.

In meinem 1:1 Beziehungscoaching für Frauen begegnet mir diese Konstellation erschreckend oft, dass Frauen mir berichten, dass sie die Last der Alltagsbewältigung mit Kind(ern) quasi alleine tragen, aber nicht die Vorteile des Alleinerziehend-Seins haben. Dazu gehören nicht nur die Kindererziehung und die Hausarbeit, sondern auch alle großen und kleinen Entscheidungen, Arztbesuche, die komplette Familienorganisation, das Geschenk für die Schwiegermutter und das Mittragen der gesamten finanziellen Kosten. Mit Abstand betrachtet, wäre es für einige Frauen deutlich entspannter und weniger arbeitsintensiv, wenn sie ohne Partner wären, denn dann könnten sie wenigstens selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden tun und lassen was sie wollen und müssten ihr Leben nicht ständig mit dem ihres (Ehe-)Mannes abstimmen. Und der Wäscheberg wäre ebenfalls kleiner.

Also ist der Partner einfach nur ein Egoist und wir sollten uns trennen?

Das wäre zu kurz gedacht. Sicher, mir kommen in meiner Arbeit (Ehe-)Partner unter, die zwar begriffen haben, dass wir in den 20ern leben, aber eben nicht in den 1920ern. Aber wenn du dich trotz Partner an deiner Seite im Stich und mit allen Herausforderungen alleine gelassen fühlst, dann braucht es im ersten Schritt erst einmal ein offenes Gespräch zwischen dir und deinem Partner. Vielleicht stellt sich heraus, dass er nicht einfach nur ein Egoist ist, sondern dass er sich zurückgesetzt und unsicher fühlt, was seinen Platz in der vielleicht neuen Familienkonstellation angeht. Besonders kurz nach der Geburt des ersten Kindes, fühlen sich viele Männer wie das fünfte Rad am Wagen und ziehen sich verletzt zurück. Hier braucht es ein offenes und ehrliches Gespräch, in dem jeder den Raum bekommt auszusprechen, was ihm so richtig auf den Keks geht und wie er sich fühlt. Wichtig ist hierbei, dass keiner den anderen verurteilt. Die rosarote Traumfantasie von der kleinen, perfekten Familie radiert sich im Laufe der Zeit ganz gewaltig ab. Darum kann es sehr wohltuend und auch befreiend sein, mal so richtig abzukotzen. Durch solche ehrlichen und wertfreien Gespräche kann wieder eine ganz neue Nähe zwischen euch entstehen.

Was du außerdem tun kannst, wenn du dich alleinerziehend fühlst

1| Bitte andere (alleinerziehende) Mamas um Hilfe

Niemand kann im Alleingang ein oder mehrere Kinder großziehen, arbeiten gehen und nebenbei noch den Haushalt stemmen. Wer Hilfe braucht, darf und soll um Hilfe bitten! Frag andere Mütter, ob sie dir das ein oder andere Mal unter die Arme greifen können. Achte dabei darauf, dass die Hilfe in beide Richtungen gilt. Viele Aufgaben lassen sich zusammenfassen. Während die befreundete Mama auf dein Kind aufpasst, kaufst du für euch beide im Supermarkt ein. Solche Absprachen sparen Zeit und Nerven und machen dich unabhängig von der Unterstützung deines Partners, die du dir zwar wünschst, aber die vielleicht nie kommen wird.

2| Organisiere einen Babysitter

Zugegeben, einen guten Babysitter zu finden, dem du vertrauen und den du dir darüber hinaus auch noch leisten kannst, kann eine Weile dauern. Frag hierfür in deinem Umfeld nach, ob jemand einen Babysitter empfehlen kann.

3| Bitte Oma und Opa um Hilfe

Ja, ein beliebter Klassiker. Aber nicht immer ist das möglich. Vielleicht willst du, aufgrund deiner eigenen Kindheitserfahrungen nicht, dass deine Eltern auf dein(e) Kind(er) aufpassen. Oder sie sind zu alt, nicht mehr fit genug oder ständig auf Kreuzfahrt. Vielleicht wohnen sie aber auch einfach nur zu weit weg, wie das in meinem Fall der Fall war. Dann schau dich um nach einer sogenannten „Leihoma“ oder einem „Leihopa“. Das sind ältere Menschen, die gerne Zeit mit Kindern verbringen, dadurch aktiv und sozial eingebunden bleiben und darüber hinaus noch ihre Rente ein wenig aufbessern können.

4| Leiste dir eine Putzhilfe

Das kannst du dir finanziell nicht leisten? Bist du sicher? Überleg einmal wieviele Stunden pro Woche du mit Hausarbeit verbringst, anstatt deiner eigenen Arbeit nachzugehen, mit der du dein Geld verdienst. Falls dein Stundenlohn nicht niedriger ist, als der einer Reinigungskraft, die dich im Haushalt unterstützt, ist es auf jeden Fall eine Überlegung wert.

5| Vergiss den grüneren Rasen der anderen

Behalte dir unbedingt einen klaren Blick und deinen gesunden Menschenverstand. Niemand schafft alles und niemand schwebt selig durch seinen Alltag mit Kind(ern), mit einem sanften Lächeln auf den Lippen. Du stanzt keine Sternchen aus den Stullen deiner Kinder? Deine Bikinizone ist war nicht rasiert, aber deine Haaransätze auf dem Kopf dafür umso grauer? Da hilft nur eins: hör sofort auf dir Insta-Vanilla-Families anzuglotzen, feiere dich dafür, was du alles an einem Tag gewuppt bekommst und erinnere dich daran, dass auch das irgendwann vorbeigeht. Wie alles irgendwann vorbeigehen wird.

Und was machst du nun mit deinem Partner?

Wenn du ein oder mehrere Klärungsgespräche mit deinem Partner geführt hast, dieser aber keine Anstalten macht, sich in irgendeiner Form bei der Care-Arbeit einzubringen und auch deine Bedürfnisse ignoriert, dann stellt sich dir früher oder später die Frage, die sich immer an einer Weggabelung innerhalb einer Partnerschaft stellt: LOVE IT, CHANGE IT, OR LEAVE IT.

Diejenigen von euch, die mich schon eine ganze Weile begleiten, wissen, dass ich die meisten Trennungen für überflüssig halte, weil Beziehungen den optimalen Raum für persönliches Wachstum bieten. Aber wenn dein Frust und deine Wut immer größer werden, dein Partner sich partout weder bewegen noch einbringen will und auch nicht offen für Hilfe von außen ist, dann ist es deine Pflicht, dir selbst gegenüber, „dein Köfferchen zu nehmen und zu gehen“. Und ja, auch wenn Kinder im Spiel sind. Denn wegen der Kinder zu bleiben, ist eine Lüge, die wir uns gerne selbst erzählen. Aber darüber sprechen wir in einem anderen Blogbeitrag. ;-)

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Alles Liebe,
deine Tatjana ♡

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