Trennung nach 20 Jahren Beziehung

Trennung nach 20 Jahren Beziehung

Eine Trennung auszusprechen ist immer schwierig. Gefühle werden verletzt und Erwartungen enttäuscht. Wenn jedoch Langzeitbeziehungen auseinandergehen, die über Jahrzehnte aufgebaut wurden, dann werden Leben, Familien und Identitäten auseinandergerissen. Trotzdem ist es möglich und in manchen Fällen auch bitter nötig.

Trennung? Aber wir haben uns doch alles gemeinsam aufgebaut!

Meinem ersten Ex-Mann zu sagen, dass ich unsere Ehe nach fast 20 Jahren Beziehung nicht mehr weiterführen will, war einer der schwersten Gänge meines Lebens. Es fühlte sich an, als würde ich ihm eine Knarre direkt auf seine Brust setzen und mitten in sein Herz schießen. Es war furchtbar. Aber es war die Wahrheit. Meine Wahrheit.
Nach zwei Jahrzehnten oder mehr, gibt es kaum ein Kaffeetässchen, das man nicht gemeinsam gekauft hat. Wenn eine Langzeitbeziehung oder Langzeitehe zu Ende geht, gibt es unglaublich viel zu regeln. Alles, was gemeinsam aufgebaut wurde, muss nun Stück für Stück auseinanderklamüsert werden.
Hinzu kommen zahlreiche Erinnerungen, die das Paar verbinden. All diese Herausforderungen können wie ein unbezwingbarer Berg wirken und uns die Sicht darauf versperren, dass das Ende dieser Ära auch der Beginn eines ganz neuen Lebensabschnitts, voller persönlichem Wachstum und Lebensglück sein kann.

Der Tod in Langzeitbeziehungen kommt schleichend.

Eine Langzeitbeziehung ist etwas, was Mann und Frau erlebt haben muss, um wirklich zu verstehen, wie komplex solche Beziehungen sind. Langzeitbeziehungen haben ihre eigenen, einzigartigen Herausforderungen. Im Laufe der Jahre schleichen sich allerlei Probleme ein, wie langweilige Routinen, oberflächliche Kommunikation, die eher einem trockenen Informationsaustausch gleicht, anstatt echtem Austausch und häufig auch miserablem oder gar nicht mehr stattfindendem Sex. Und es gibt Streitereien. Viele Streitereien. Es kommt zu vielen Verletzungen, weil wir im Laufe einer Langzeitbeziehung genau wissen, wohin wir zielen müssen, um die Partnerin oder den Partner so richtig zu treffen.

Solche Probleme sind normal und treten in vielen Beziehungen auf. Doch wenn sie sich über so einen gewaltigen Zeitraum anhäufen, kann dies zu einem Gefühl der Entfremdung, Unzufriedenheit, Frust und irgendwann zu Resignation führen. Gerne betritt an dieser Stelle des Drehbuchs die Affäre die Bühne.

Liebeskiller No. 1 in Langzeitbeziehungen: die Symbiose.

Wie auf Wikipedia nachzulesen, bedeutet das Wort „Symbiose“ eine „Vergesellschaftung von Individuen zweier unterschiedlicher Arten, die für beide Partner vorteilhaft ist.“ Diese Beschreibung passt erschreckend oft auf Paare, die bereits 20 oder 30 Jahre zusammen sind. Wenn ich mit Frauen oder Paaren in meinen 1:1 Beziehungscoachings arbeite, deren Langzeitbeziehung in einer akuten Krise steckt, dann stelle ich oft fest, dass gar nicht mehr deutlich erkennbar ist, wo die Frau aufhört und der Mann anfängt. Beide scheinen so miteinander verflochten, ja geradezu verschmolzen zu sein, dass sie keine autonome Identität mehr haben und einer der beiden oder sogar beide nicht mehr lebensfähig wären, wenn sie getrennt würden. Das ist alles andere als romantisch. Eine Symbiose ist geprägt von gegenseitiger Abhängigkeit, Bedürftigkeit (nicht zu verwechseln mit Bedürfnissen) und Angst. Sehr viel Angst. Angst vor dem Alleinsein, Angst vor gesellschaftlichem Gesichtsverlust, Angst vor finanziellen Einschnitten und Angst davor, plötzlich, nach so langer Zeit, auf sich selbst zurück geworfen zu werden.

Ist es okay zu bleiben, wegen der Kinder und der finanziellen Absicherung?

Alle, die meine Arbeit schon länger verfolgen, wissen, dass ich kein Fan von überstürzten Trennungen bin, weil eine Beziehungskrise immer ein Weckruf ist, uns unsere eigenen Themen endlich anzuschauen und in unserem Inneren mit dem Neurosensträußchen aufzuräumen. Wenn allerdings einer von beiden bereit ist, sich mit den Themen ernsthaft auseinanderzusetzen, die Partnerin oder der Partner sich aber partout weigert ehrlich hinzusehen, dann ist es wichtig zu gehen. Das Gleiche gilt, wenn sich ein Paar über die Jahre oder Jahrzehnte vollkommen auseinander gelebt hat und längst nicht mehr die gleichen Werte teilt. Nun ist es aber so, dass mir im 1:1 Beziehungscoaching immer wieder Frauen begegnen, die aus finanziellen Gründen bleiben oder nicht bereit sind, den Kindern diese Veränderung zuzumuten. Gleichwohl die Kinder vielleicht schon selbst erwachsen sind und längst das Elternhaus verlassen haben. Meine Meinung hierzu? Das ist okay. Das ist ein Geschäftsmodell, dessen sich viele Paare bedienen. Wenn wir eine Beziehung oder Ehe verlassen, die seit zwei oder drei Jahrzehnten besteht, dann ist unser Leben nie wieder wie zuvor. Und das macht verständlicherweise Angst, weil es ein Schritt ins Unbekannte ist. Fernab unserer Komfortzone. Wichtig finde ich nur, dass wir diese Entscheidung BEWUSST treffen. Wir sind dann kein Opfer mehr, sondern übernehmen Verantwortung für unser Handeln. Auch wenn wir entscheiden, nicht zu handeln.

Und wenn ich nicht weiß, was ich will?

Hier braucht es radikale Ehrlichkeit uns selbst gegenüber. Was verbirgt sich wirklich hinter meinem Wunsch, mich zu trennen? Sind die Probleme in der Langzeitbeziehung wirklich unüberwindbare Differenzen? Oder fühlt sich mein Leben nur taub an, weil ich mich selbst vollkommen verloren habe und es Zeit ist endlich anzutreten und mein ganz eigenes Leben aufzuräumen? Diese radikale Ehrlichkeit ist der erste Schritt zur Klarheit, um eine wahrhaftige Entscheidung treffen zu können.

Ich spüre mich nach all den Jahren überhaupt nicht mehr.

Wenn wir uns mit dem Gedanken an eine Trennung tragen, dann ist es sehr wichtig, dass wir uns auf unsere innere Stimme, unsere eigene Wahrheit, unsere Intuition stützen. Die Beziehung zu unserem wahren Selbst ist die wichtigste Beziehung, die wir in diesem Leben führen. Leider ist gerade diese Beziehung in Langzeitehen meist nur noch rudimentär vorhanden und es braucht hier unbedingt Zeit in der Stille. Allein. Hier findest du Antworten auf große Fragen wie: bin ich wirklich glücklich? Lebe ich das Leben, das ich mir wünsche? Oder gibt es vielleicht noch eine vollkommen andere Version meines Lebens, von der ich bisher nichts ahne, nach der ich mich tief im Herzen aber sehne?

Was ist mit den moralischen und finanziellen Verpflichtungen?

Konflikt Call

#tatjanaredettacheles
Wenn Kinder im Spiel sind, dann stehen diese an erster Stelle und es muss gewährleistet sein, dass sie nicht die Leidtragenden der Trennung werden. Dabei geht es nicht nur um die lückenlose, finanzielle Versorgung der Kinder, sondern auch um die emotionale Begleitung. Sind die Kinder bereits erwachsen, was ja doch häufiger vorkommt bei Trennungen von Langzeitbeziehungen, dann finde ich es wichtig, den Kindern zu vermitteln, dass Eltern zwar für immer Eltern bleiben, aber eben nicht nur Eltern sind. „Erwachsene Kinder“ benehmen sich im Trennungsfall gerne wie kleine Kinder, die hoffen, dass Mami und Papi für immer zusammen bleiben. Hier braucht es eine klare Kommunikation mit der Botschaft, dass Eltern ein Recht haben auf ihr eigenes Lebens- und Beziehungsglück.

Was finanzielle Aspekte angeht wie gemeinsame Kredite, Eigentum und Unterhaltszahlungen, so müssen diese Schritt für Schritt geklärt werden. Hierbei kann auch professionelle Unterstützung sehr hilfreich sein, z. B. durch einen Anwalt oder Finanzberater, um faire Lösungen zu finden und nicht von Emotionen gesteuert zu re-agieren.

Wie kann ich so eine Trennung bewältigen?

Nach 20, 30 oder mehr Jahren eine Trennung einzuleiten ist kein Zuckerschlecken und auch nicht mal eben in 14 Tagen überwunden. Aber wenn du dich im Inneren geklärt hast, deine Beziehung definitiv nicht weiterführen willst und mit deiner Partnerin oder deinem Partner offen darüber gesprochen hast, dann braucht es einen Plan. Dazu gehört die Regelung der Wohnsituation, der Finanzen und gegebenenfalls auch Sorgerechtsfragen. Wichtig ist auch zu wissen, dass es Sinn macht, sich rechtzeitig Unterstützung zu suchen in Form eines Coaches oder Therapeuten. Nach einer Langzeitbeziehung kann es passieren, dass die eigene Psyche von all den Veränderungen nach der Trennung völlig überfordert ist und nicht Schritt halten kann. In so einem Fall kann es zu einer Anpassungsstörung kommen. Wenn du bemerkst, dass es dir nicht gut geht, dann sprich unbedingt mit einem Arzt oder Therapeuten deiner Wahl und frage rechtzeitig um Hilfe. Eine Trennung nach solch einer gewaltig langen Zeit kann eine enorme Belastung darstellen. Verlange also bitte nicht von dir, dass du das alles spielerisch alleine bewältigst. Solch eine Trennung ist eine der schwersten Entscheidungen, die man treffen kann. Doch mit radikaler Ehrlichkeit, Unterstützung und einer klaren Planung kann dieser Schritt gelingen. Mach daraus den Beginn eines neuen Kapitels in deinem Lebensbuch, in dem du deine eigene Identität (wieder) findest und sie ausdrückst. Vertraue auf deine innere Stärke und deinen Mut, deinen ganz eigenen Weg zu einem erfüllten und glücklichen Leben zu gehen.

Weil du es wert bist.
Weil dein Leben zählt.
Es ist Zeit.
Zeit, anzutreten!

Alles Liebe,
Tatjana ♡

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